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Aktuelle Nachrichten rund um das Späth-Arboretum
Dr. Anika Dreilich im Interview (01.09.26)
Dr. Anika Dreilich ist Gärtnerisch-Technische Leiterin des Späth-Arboretums, das seit 65 Jahren zur Humboldt-Universität gehört. Im Interview berichtet sie über die Gründe für den verspäteten Saisonstart, die Auswirkungen des Klimawandels auf den Erhalt des Baumbestandes und die Programmhighlights im Herbst.
Frau Dr. Dreilich, das Arboretum öffnet dieses Jahr nicht wie sonst im Frühling, sondern im Herbst seine Türen für das Publikum. Wie kam es dazu?
In diesem Jahr ist vieles zusammengekommen, was die Öffnung verzögert hat. An erster Stelle standen umfangreiche Maßnahmen zur Verkehrssicherheit. Unser Bestand umfasst zahlreiche große und alte Bäume, die regelmäßig durch unabhängige Fachleute kontrolliert und anschließend durch spezialisierte Baumpflegefirmen gepflegt werden müssen. Der Pflegebedarf hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, vor allem durch die klimawandelbedingten Extremwetterereignisse, und die Finanzierung dieser Maßnahmen ist angesichts der aktuellen Sparzwänge außerordentlich schwierig. Hinzu kam ein Befall mit dem Eichenprozessionsspinner.
Der Eichenprozessionsspinner war ja berlinweit diesen Sommer ein großes Thema und die Beseitigung der Raupen aufwändig. Wie war das im Arboretum?
Ja, dieser Sommer hat sich der Eichenprozessionsspinner in Berlin besonders stark verbreitet. Der Befall war auch im Arboretum extrem. Es mussten an 23 Eichen bis zu 6 Nester pro Baum beseitigt werden. Die wertvollen, seltenen Baumgenotypen, die wir u.a. für die Zukunftsbaumforschung nutzen und teilweise sogar denkmalgeschützt sind, haben großen Schaden erlitten. Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners enthalten das Nesselgift Thaumetopoein das Hautreizungen, Augenentzündungen und Atemwegsbeschwerden verursachen kann. Das Risiko endet nicht automatisch, wenn die Raupen verschwunden sind: Auch in alten Nestern bleiben Brennhaare über längere Zeit erhalten und werden durch den Wind verbreitet. Im Arboretum wurden die Nester zum großen Teil entfernt, deshalb kann es wieder öffnen.
Es gab aber auch einen schönen Grund für die verspätete Öffnung ...
Das hört sich gut an – worum geht es?
Wir freuen uns sehr, dass die Erneuerung der alten erodierten Bewässerungsrohre über die Technische Abteilung umgesetzt werden konnte. Damit ist eine wichtige Grundlage für den Anschluss eines modernen, halbautomatischen Regnersystems geschaffen. Jetzt muss nur noch die Finanzierung gesichert werden.
Dieser Sommer war in Berlin ziemlich heiß , aber nicht so trocken wie in anderen Teilen Deutschlands und Europas. Wie geht es den Bäumen im Arboretum?
Das stimmt, der Sommer war in Berlin zwar heiß, aber zum Glück recht regenreich. Trotzdem sind die Folgen der vergangenen Jahre deutlich sichtbar. Bäume reagieren nicht nur auf das Wetter einer einzelnen Saison, sondern auf die Summe der Belastungen: trockene Jahre, warme Winter, Spätfröste, Stürme und Schädlingsbefall. Wenn die zusätzliche Bewässerung dann unzureichend ist, steigt das Risiko für Ausfälle erheblich. Die Pflege übernehmen unsere Gärtner*innen. Sie bewässern, kontrollieren und versorgen die Lebendsammlung mit großem persönlichem Einsatz. Da zwei Gärtnerinnen nach über 40 Jahren Arbeit im Arboretum in den Ruhestand gehen, wird auch die mit den Sparmaßnahmen beschlossene sechsmonatige Vakanz der Stellen die Situation verschärfen.
„Das Arboretum ist mehr denn ja auf Unterstützung angewiesen“
Der Saisonstart wird dieses Jahr vermutlich anders sein als in anderen Jahren. Musste das Programm angepasst werden?
Es war uns wichtig, der Öffentlichkeit trotz der schwierigen Bedingungen Zugang zum Arboretum zu ermöglichen. Veranstaltungen wie z.B. die Lange Nacht der Wissenschaften und der Lange Tag der Stadtnatur konnten mit Hilfe von organisatorischen Anpassungen stattfinden. Auch individuelle Führungen, sowie Forschung und Lehre konnten dank des außergewöhnlichen Einsatzes und der erheblichen zusätzlichen Arbeitsbelastung unserer Mitarbeitenden stattfinden. Seit dem 19. August ist nun auch wieder der gesamte Park zu den Öffnungszeiten frei zugänglich und bleibt das noch bis zur Winterpause ab 1. November
Was erwartet die Besucher*innen im Herbst?
Bis zum 31. Oktober ist noch die Freiluft-Ausstellung „Wilde Vielfalt im Garten“ zu sehen. Sie macht sichtbar, wie viele Organismengruppen und ökologischen Beziehungen sich auch jenseits der angepflanzten Gehölze in einem Botanischen Garten entwickeln. Am 19. September findet um 11 Uhr eine Spätsommer-Führung zum Traditionsfest der Späth’schen Baumschulen statt. Es sind noch ein paar wenige Plätze frei und eine Anmeldung noch möglich.
Sie haben mehrmals die knappe Finanzlage erwähnt. Gibt es Möglichkeiten, das Arboretum zu unterstützen?
Ja, das Arboretum ist mehr denn je auf Unterstützung angewiesen. Die Kosten für Bewässerung, Pflege, Verkehrssicherung und die Bewältigung von Extremwetterereignissen steigen, während finanzielle und personelle Spielräume kleiner werden. Wir haben deswegen ein Spendenprogramm gestartet, um die wertvollen Bäume für Forschung und Lehre zu sichern und diesen einzigartigen Ort, den es schon seit über 140 Jahren gibt und der seit genau 65 Jahren zur HU gehört, auch für kommende Generationen zu bewahren. Eine besonders schöne Möglichkeit ist eine Patenschaft für eine Pflanze zu übernehmen. Man kann sich eine Pflanze aus unserem Angebot aussuchen, sie beim Wachsen und Gedeihen begleiten und mit der Spende das Arboretum als Ganzes unterstützen.
Die Fragen stellte Cordula de Pous